»Wir trauen zu wenig dem Nebenuns.
Wir träumen zu wenig im Wachen.«
Joachim Ringelnatz

Die Reklameverse von Joachim Ringelnatz gehören zu den überraschendsten Facetten seines Werks. Zwischen Seemannsgarn, Grotesken und poetischen Miniaturen schrieb der sächsische Dichter auch für die Werbebranche – und zwar mit einer Hingabe, die bis heute verblüfft. Besonders umfangreich war seine Zusammenarbeit mit der Textilfabrik Sigmund Goeritz AG (auch bekannt als Bademodenfabrik »Venus«) der gleichnamigen jüdischen Unternehmerfamilie aus Chemnitz.
Zum Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen macht das Ringelnatz-Geburtshaus diesen außergewöhnlichen Zusammenhang erstmals sichtbar. Die neue Sonderausstellung »Zwischen hübschen Streifen« beleuchtet die Geschichte der Familie Goeritz, ihre Rolle in der sächsischen Textilindustrie und die persönliche wie künstlerische Verbindung zu Ringelnatz. Kurator Dr. Jürgen Nitsche hat dafür bislang verstreute Materialien zusammengeführt und ordnet sie kulturhistorisch ein.
Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein Blick auf ein Kapitel, das Ringelnatz’ Werk ungewohnt erscheinen lässt: Werbung als literarische Spielfläche, jüdisches Unternehmertum als Motor der sächsischen Modeindustrie und ein Dichter, der zwischen Humor und Ernst neue Ausdrucksformen ausprobierte.
Die Sonderausstellung im Rahmen von Tacheles 2026 kann nach der Vernissage am 01.08. noch bis zum 20.12.2026 zu den Öffnungszeiten Donnerstag, Freitag und Sonntag, jeweils von 14 bis 17 Uhr oder zu Sonderöffnungszeiten besucht werden.



Der Joachim-Ringelnatz-Verein e.V. wurde 1992 in Wurzen (Sachsen) gegründet. Der Verein organisiert Kleinkunst, Ausstellungen, Vorträge, Lesungen und viele andere Veranstaltungen rund um Joachim Ringelnatz und dessen Geburtshaus in Wurzen sowie den alljährlichen RingelnatzSommer in Wurzen.
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