Ringelnatz weckt Südsee-Sehnsucht

Sonntag, 24. Juli 2011 (Hess)

ringelnatz als seemann Nagelritz singt Ringelnatz zum Geburtstags-Schwoof mit Seemannsgarn und Fernweh am 7. August 2011 ab 15 Uhr auf dem Markt Wurzen

Wurzen. „Fernes, Wildes und Konträres“ wollte Ringelnatz erleben. Sein erstes Tattoo stammte von einer echten Samoanerin. Die Tätowierung fand in der Schulpause im Leipziger Zoo statt – neben Tieren wurden hier Menschen ferner Länder in einer Völkerschau gezeigt. Hans Gustav Bötticher, der sich später Joachim Ringelnatz nannte, flog dafür vom Gymnasium. Sein Fernweh stillte er als Schiffsjunge – er kam, unterwegs Flaschenpost aussendend, bis nach Belize.

„Ich möchte mich treiben lassen/In Welten, die nur ein Fremder sieht. Ich möchte erkämpfen, erfassen, Erleben, was anders geschieht“, bedichtet Ringelnatz sich selbst in „Der Abenteurer“. Seefahrer-Romantik und die Erinnerung an seine Reisen prägen Ringelnatz’ Gedichte sein ganzes Leben lang. Was liegt näher, als sich beim zweiten Wurzener Ringelnatz-Schwoof der Südsee-Sehnsucht hinzugeben?

Mit einem Mix aus Fernweh, Seemanns-Lyrik und heißer Musik prostet deshalb Wurzen Ringelnatz zu seinem Geburtstag am 7. August zu.

Für Wirbel und einen furiosen Auftakt sorgen die Black Diamond Drummers zum Auftakt des Nachmittags, wenn sich der Wurzener Markt Strand-Feeling zugelegt hat – Liegestühle und Planschbecken, Strandcafe und Hafenbar. Auf der Bühne ab 18 Uhr Matrosenlook und Seemanns-Lyrik mit Dirk Langers Programm „Nagelritz singt Ringelnatz“.

„An Land wirst du nie ein Seemann“, sagt Nagelritz` bester Freund Hinnerk. Nicht nur mit Seekrankheit, Heimweh und Sehnsucht nach Mutti fertig zu werden, hat er von Hinnerk gelernt, sondern auch, wie man mit Frauen umgehen muss. Und wie man Schifferklavier spielt und warum man trinkt. Die sehnsüchtigen bis frivolen Liedtexte stammen von Joachim Ringelnatz. Vertont und begleitet auf dem maritim verstimmten Schifferklavier und mit rumverwöhnter Stimme werden sie von Dirk Langer vorgetragen. Weisheit aus Flaschen? Stürmischer Hochseealltag? Von Nagelritz präsentiert wird alles romantisch, wild und gefährlich!

Maritimes und paradiesisches Drumherum gibt’s reichlich: lateinamerikanischen Tänze mit der Tanzschule Ritter, Sommermode aus dem Angebot der Modehändler, Spiele für Groß und Klein.

Für Südsee-Temperament auf der Tanzfläche sorgen die Salsa-Band „Sin Fronteras“ und DJ Tobi. Der Kulturbetrieb Wurzen und der Joachim Ringelnatz-Verein laden alle Landratten auf die „Fahrt mit Daddeldu“ ein: „Und das Schifflein rollt/ alles tanzt und tollt. Schöne Nixen knicksen auf und nieder./ Und der Kapitän/ schmunzelt souverän./ Daddeldu singt furchtbar laute Lieder.“

Gästen zum Ringelnatz-Schwoof wird außerdem empfohlen:

Die Dauerausstellung:
Ringelnatz’ Leben und Werk
Museum Wurzen, Domgasse 2

Die Sonderausstellung:
Meisterhaft – Musterhaft
Georg Bötticher – der fast vergessene Künstler und Vater von Joachim Ringelnatz
Städtische Galerie am Markt, Altes Rathaus, Markt 1

Meisterhaft – musterhaft: Bötticher-Doppelausstellung gut besucht

Mittwoch, 25. Mai 2011 (Hess)
Andrang bei der Eröffnung

Andrang bei der Eröffnung

Wurzen. Die regionale Zeitung zählte fast hundert Gäste zur Eröffnung der Doppelausstellung “Meisterhaft – Musterhaft” in der Galerie im Rathaus Wurzen, die Ringelnatz’ Vater Georg Bötticher gewidmet ist. Erfreut vom regen Zuspruch eröffnete OBM Jörg Röglin gut gelaunt die nobel gestaltete Schau. 13 Jahre habe Bötticher in Wurzen gelebt und von hier aus die reiche Industriegeschichte Deutschlands und Europas durch sein gestalterisches Können mit beeinflusst.

Unter den Gästen begrüßte Museumsleiterin Dr. Sabine Jung Staatssekretär Erhard Weymann, Bevollmächtigter des Landes Sachsen beim Bund und Leiter der Landesvertretung in Berlin, und ganz herzlich zahlreiche Leihgeber für beide Teile der Ausstellung. Kurz gefasst stellte sie das den Stil der Zeit mit prägende Wirken Böttichers als Musterzeichner für den europäischen Markt vor. Ausführlich hat sie dies in dem gut gestalteten Katalog geschrieben und illustriert, der im Museum Wurzen für 19 Euro erhältlich ist.

Angelika Wilhelm, stellvertretende Vorsitzende des Joachim-Ringelnatz-Vereins Wurzen, kuratierte den zweiten Teil der Schau – dem literarische Wirken Georg Böttichers in Leipzig als Anreger und Mitglied des Männerbundes “Die Leoniden” gewidmet. Viele Leihgeber steuerten bei, was die Zerstörung der Stadt Leipzig im zweiten Weltkrieg in privaten Haushalten überdauert hat. Dokumentiert hat Angelika Wilhelm ihre Ergebnisse ebenfalls im Katalog zur Schau. Die Austellung dokumentiert einprägsam, in welchem Milieu Ringelnatz aufwuchs und wo die familiären Quellen seiner Doppelbegabung als dichtender und malender Künstler zu finden sind. Sie ist bis 18. September in der Galerie am Markt zu sehen.

Meisterhaft – Musterhaft
Georg Bötticher – der fast vergessener Künstler und Vater von Joachim Ringelnatz
Georg Bötticher – Tapetenmuster für den europäischen Markt
(Dr. Sabine Jung, Museum Wurzen)
Der Humordichter Georg Bötticher und die Leoniden in Leipzig
(Angelika Wilhelm, Joachim Ringelnatz Verein Wurzen)

Führungen durch die Ausstellung: Jeden 2. Do. im Monat (ab Juni), 16 Uhr

Der Vortrag zur Ausstellung:
12. August., 18 Uhr, Galerie am Markt
Tapetengeschichten zu Zeiten Georg Böttichers
Prof. Dr. Sabine Thümmler, Leiterin des Kunstgewerbemuseums

Zu literarischem und musikalischem Vergnügen in den Arkadenhof des Museums Wurzen lädt der Joachim-Ringelnatz-Verein am 3. Juli, 15 Uhr ein.
„Jede Laune meiner Wimper“ heißt das Ringelnatz-Programm, von Ulf Annel und Verena Fränzel vom Erfurter Kabarett „Arche“.

RingelnatzSommer 2011 in Wurzen

Montag, 4. April 2011 (Hess)

Der Wurzener RingelnatzSommer 2011 startet am 15. Mai mit der traditionellen Ausstellungseröffnung. Diesmal gibt es eine Doppelschau – vom Ringelnatzverein und vom Museum Wurzen gemeinsam gestaltet.

Ausstellung: Meisterhaft – Musterhaft

Georg Bötticher – der fast vergessener Künstler und Vater von Joachim Ringelnatz

In den zwei Teilen der Schau wird gezeigt:

  • Georg Bötticher – Tapetenmuster für den europäischen Markt (Dr. Sabine Jung, Museum Wurzen)
  • Der Humordichter Georg Bötticher und die Leoniden in Leipzig (Angelika Wilhelm, Ringelnatz-Verein)

Die Ausstellung ist bis 18. September 2011 in der Galerie am Markt zu sehen.

Ringelnatz-Ehrung zum 1050. Jubiläum Wurzens

Doch auch Ringelnatz selbst kommt nicht zu kurz im 1050. Jubiläumsjahr seiner Heimatstadt Wurzen. „Jede Laune meiner Wimper“ heißt das Ringelnatz-Programm, mit dem Ulf Annel und Verena Fränzel vom Erfurter Kabarett „Arche“ am 3. Juli, 15 Uhr, zu literarischem und musikalischem Vergnügen in den Arkadenhof des Museums Wurzen einladen.

Gänzlich der seemännischen Seite des jungen Hans Gustav Bötticher, später Ringelnatz genannt, gewidmet ist der Ringelnatz-Schwoof am 7. August ab 17 Uhr auf dem Wurzener Markt. Südsee-Sehnsucht ist das Thema des Abends, dessen Exotik natürlich von Ringelnatz` Seemannsliedern, aber auch lateinamerikanischen Tänzen und einer Salsa-Band geprägt wird.Damit richtet seine Geburtsstadt Wurzen dem Dichter schon zum zweiten Male eine öffentliche Geburtstagsfeier auf dem Marktplatz aus.

Ein Novum steuert der Tri-Sport-Verein Wurzen dank vieler Sponsoren bei. Am Ringelnatz-Geburtstag startet auf dem Ringelnatzpfad durch die Wurzener Innenstadt der erste Wurzener Ringelnatz-Lauf über fünf und zehn Kilometer. Auf dem T-Shirt der Läufer prangt Ringelnatz Konterfei.

Mehr Informationen: www.wurzen.de

Wechsel an der Spitze: Angelika Wilhelm gibt Staffelstab weiter an Dr. Viola Heß

Freitag, 21. Januar 2011 (Hess)

Wenig Zeit nahmen sich die Mitglieder des Joachim Ringelnatz Vereins Wurzen zu Jahresbeginn bei ihrer Mitgliederversammlung für die Rückschau auf die letzten vier Jahre. Dabei fiel die Bilanz beeindruckend aus. Mit großer Energie hat der kleine Verein mit über dreißig Mitgliedern aus ganz Deutschland mit dem jährlichen RingelnatzSommer den Festkalender der Stadt Wurzen mit Ausstellungen und Lesungen bereichert.

Wer immer in Deutschland sich künstlerisch mit Ringelnatz-Texten auseinandersetzt, kann mit einer Einladung nach Wurzen rechnen. Zum Beispiel lasen Wiglaf Droste und Harry Rowohlt; Maegie Koreen und „Wortfront“ mit Sandra Kreisler und Roger Stein boten musikalische Auseinandersetzung mit Ringelnatz. Aus anspruchsvoller Ausstellungsarbeit kann jetzt die Ernte eingefahren werden.

Mit den beiden Ausstellungen „Ringelnatz und seine Ahnen“ 2009 und 2010 wurde der Grundstock zu einem Buch zusammengetragen, das die sächsisch-thüringische Verwurzelung der Familie des Künstlers nachzeichnen wird.

Autorin ist die langjährige Vorsitzende des Ringelnatz-Vereins Angelika Wilhelm. Sie gab auf der Mitgliederversammlung den Staffelstab weiter. Zur neuen Vorsitzenden des Wurzener Ringelnatzvereins wurde Viola Heß gewählt. Angelika Wilhelm steht ihr als Stellvertreterin weiter zur Seite. Ebenfalls in den Vorstand gewählt wurde die Leiterin des Museums Sabine Jung.

Das Jahr 2011 werde ein spannendes Jahr für den Verein, sagte Viola Heß. Mehrere Veranstaltungen im Festkalender zum 1050. Stadtjubiläum wollen organsiert sein – darunter die anspruchsvolle Doppelausstellung zu Ringelnatz‘ Vater Georg Bötticher als Industriedesigner und seinem Wirken im Leipziger Künstlerbund der Leoniden.

Gemeinsam mit dem Kulturbetrieb Wurzen lädt der Ringelnatzverein am 7. August zur Geburtstagsfete für den Wurzener Künstler auf den Markt ein und organisiert den zweiten „Ringelnatzschwooof“. Gemeinsam mit der Ringelnatz-Grundschule arbeitet der Verein schon jetzt an einem Bild für den Festumzug zur Ehren des Matrosen Ringelnatz.

Das Wichtigste aber bleibt für den Verein sein Engagement für die Sanierung des Geburtshauses am Crostigall und der Ausbau der bereits zu Lebzeiten des Künstlers begonnenen Ringelnatzsammlung, älteste und bedeutendste Sammlung zu Ringelnatz in Deutschland.

2009 hat der Stadtrat Wurzen die schrittweise Sanierung des Ringelnatzhauses beschlossen: 2011 soll das deutlich zu erkennen sein. Der Ringelnatzverein schlägt vor, in einem deutschlandweiten Architektenwettbewerb die Umgestaltung des Hauses zum Museum mit einem Mehrzweckbau und einem ansprechenden Außengelände für Freiluft-Veranstaltungen auszuschreiben.

ZU HÜLFE – schwarzer Humor, Lieder, Grotesken

Freitag, 29. Oktober 2010 (Hess)

Derselbe hanseatische Zungenschlag, derselbe skeptische Blick und die Vorliebe für frische norddeutsche Küstenluft - Poet und Erzähler Michael Augustin und der Sänger und Liedermacher Wolfgang Rieck haben auch im selben Jahr – nämlich 1953 – das Licht der geteilten Welt erblickt: der eine in Lübeck, der andere in Rostock.

Auch wenn sie aufgrund der politischen Weltlage niemals gemeinsam im Sandkasten spielen durften, ließen sich die beiden Nordlichter nicht davon abhalten, schon lange vor dem Verschwinden des „Eisernen Vorhangs” Kontakt zueinander aufzunehmen – auf dem ostseeischen Wasserwege übrigens.

Während sich Michael Augustin nach seinem Volkskundestudium in Dublin und Kiel als Rundfunkredakteur bei Radio Bremen einen ausgezeichneten Ruf erwirbt und so ganz nebenbei als einer der wenigen deutschen Schwarzhumoristen Furore macht, ersingt sich Wolfgang Rieck nun schon seit fast 30 Jahren mit anderen Musiker-Kollegen (Joachim Piatkowski, LIEDERJAN) und als Solist sein Publikum.

In ihrem abendfüllenden Duo-Programm “Zu Hülfe!” präsentieren beide ihrem entzückten Publikum einen Cocktail aus teils haarsträubenden Miniaturen, schwarzhumorigen Kurzgeschichten, grotesken Dramoletten, schrägen Epigrammen sowie Liedern, die von Seefahrt, Liebe, Tod und Teufel und anderen ungewöhnlichen Gewöhnlichkeiten aus ihrer norddeutschen Heimat und der großen weiten Rest-Welt erzählen. Das umfangreiche musikalische Instrumentarium verleiht dabei diesem Abend seinen besonderen Reiz

  • 13. November 2010, 20 Uhr, Kulturhaus Schweizergarten, Wurzen

Wurzen will Hafenstadt werden

Sonntag, 26. September 2010 (Hess)
Entwurf

Entwurf

Entwurf

Entwurf

Segel am Wurzener Markt? Ein Leuchtturm in der Wenceslaigasse ? – wenigstens spielen will die Ringelnatzstadt Wurzen mit dem seemännischen Erbe des seefahrenden Sachsen Joachim Ringelnatz.

Beim City-Wettbewerb “Ab in die Mitte” trat Wurzen mit einer Hafenlandschaft mitten in der Stadt an, die freilich gut geeignet ist, hier auch Kleinkunst aufzuführen.

Blickfang des Projektes hinter dem Alten Rathaus ist ein maritimer Kinderspielplatz, ein Hafen, in dem Segelschaffe ankern, die zum Spielen einladen. Der Sandkasten erhält ein Klettergerüst als Leuchturm.

Aufgewertet werden die Reste der alten Stadtmauer. Sie wird zur Kulisse für eine Bühne für Kleinkunstveranstaltungen im Freien. Ins Konzept einbezogen ist das alte Stadtgefängnis. Direkt aus der Zelle kann bei Veranstaltungen die Bewirtung erfolgen. Auch um die öffentliche Bedürfnisanstalt macht das Projekt keinen Bogen.

Nein, ganz nach Ringelnatz wird hier Kunst am Klo (KAK) angestrebt, schließlich hat Ringelnatz selbst die Sache des Dichtens wert befunden – mit seinem Gedicht “Neidisches auf einen Klomann”. Keramik und maritime Motive sollen das Wurzener stille Örtchen berühmt machen.

Zur Euregia im Oktober wurden die Preisträger ausgelobt. Wurzens maritime Vision ist der dritte Versuch, beim Wettbewerb “Ab in die Mitte” zu punkten. Im Dritten Anlauf kam Wurzen auf den dritten Platz – mit 10 000 Euro Preisgeld.

Entführung in den siebten Kreis der Wortspielhölle

Montag, 9. August 2010 (Hess)

Wurzen. Wiglaf Droste hielt Wort: Am Vorabend des 127.Geburtstages des von ihm verehrten Ringelnatz kam er nach Wurzen und las – Ringelnatz und Eigenes. Droste zeigte sich auf als scharfsinniger und scharfzüngiger Sprachkritiker, der vergnüglich mit stilistischen Fehlbildungen jonglierte. Der inzwischen in Leipzig gelandete Autor ließ die Zuhörer teilhaben an seinem unbändigen Spaß am Nonsens raffinierter Sprachwerkeleien und nahm sie bereitwillig mit in den “siebten Kreis der Wortspielhölle”. Jedenfalls konnte so richtig gelacht werden. Aber das war schon nach der Pause.
Im ersten Teil der Lesung ging es besinnlicher zu. Warme und herzberührte Worte fand der Satiriker für Ringelnatz. Das Risiko der Ernüchterung beim Wiederlesen von Büchern, für die man einst schwärmte, gilt für Droste bei dem Wurzener Poeten nicht. Das Hingerissensein des 14-Jährigen hat sich der Westfale offenbar über die Jahrzehnte bewahrt. “Mut zur tragischen Größe wie zur Ironie”, bescheinigt er ihm, “Tiefe der Empfindung, die sich nicht abnutzt” und einen “Humor, der weniger mit lustiger Flachserei zu tun hat als mit der Fähigkeit, die Schläge des Schicksals zu verarbeiten und zu ertragen”.
Es war kein leichtes Stück Arbeit, den Wurznern ihren Ringelnatz neu zu entdecken. Droste, der mit lebenden Mitmenschen gern Schlitten fährt, hat das fein hingekriegt. Seine Betrachtung “Die reinste Liebe wird vergossen im Vorbei” ermutigt, sich ganz auf Ringelnatz einzulassen – freiwillig und immer wieder neu. Der Wurzener Ringelnatz-Verein hat einen Verbündeten gefunden.

Wiglaf Droste kommt doch noch – am 6. August

Montag, 28. Juni 2010 (Hess)

Wurzen. Kurzfristig absagen musste Wiglaf Droste seine lange geplante Lesung im Juni in Wurzen. Sein den Ringelnatz-Fans gegebenes Versprechen will er dennoch halten. Freunde Ringelnatzscher Verse und Drostescher Weltsicht (und umgekehrt) kommen am 6. August, 18.30 Uhr, im Arkadenhof des Museums Wurzen auf ihre Kosten. Am Vorabend des 127. Ringelnatz-Geburtstages lädt der Joachim Ringelnatz Verein Wurzen e.V. herzlich zu dieser Lesung ein.

Verwandtenbesuch im Ringelnatz-Geburtshaus

Montag, 28. Juni 2010 (Hess)

Wurzen. Seit langen Jahren ist zum ersten Male wieder eine Ausstellung im Ringelnatz-Geburtshaus zu sehen –  in sanierungsbedürftigen Räumen..Bis zum 8. August werden hier Aquarelle, Monotypien und Zeichnungen von Christian Rietschel öffentlich präsentiert. Der Urenkel des Bildhauers Ernst Rietschel, Großneffe von Ringelnatz, wurde 1908 im jetzigen Wurzener Ortsteil Sachsendorf geboren. Er betätigte sich nach Kunst- und Theologiestudium sein Leben lang künstlerisch. Die Auszüge aus dieser “Privatkunst” wie es Sohn Martin Rietschel zur Vernissage in seiner Würdigung des Vaters nannte, offenbaren dabei eine glückliche Hand. Rietschel konnte für sich in Wurzen dem Leben seines Vaters ein weiteres Mosaiksteinchen hinzufügen: Erika Siebert schilderte persönliche Begegnungen mit dem Mann, der in Sachsen in den 1950er Jahren den Kunstdienst der evangelischen Kirche aufgebaut hatte und offenbar in reichem Maße über die Gabe verfügte, auszugleichen und zu vermitteln.

Museumsleiterin Dr. Sabine Jung begrüßte die Gelegenheit, an einem unübersehbar “provisorischen Ausstellungsort” eine Lanze für das geschichtsträchtige Haus am Crostigall zu brechen. “Wo Ringelnatz draufsteht, sollte auch Ringelnatz drin sein”, kritisierte sie das bisherige Selbstverständnis Wurzens als Ringelnatz-Stadt.

Vereinsvorsitzende Angelika Wilhelm erinnerte noch einmal an die Geschichte des Hauses, das 1983 – zum 100 Geburtstag des Poeten – saniert worden war und viel von seinen Charme eingebüßt hatte, als die Ringelnatz-Exponate 1999 ins Museum in der Domgasse abgewandert waren. Wilhelm erinnerte daran, dass der Ringelnatzverein ein Nutzungskonzept vorgelegt habe, das der Bedeutung des denkmalgeschützten Baus als Geburtshaus des Wurzener Multitalents gerecht werde.

Vereinsfrau Viola Hess hob hervor, dass die Gruppe mit ihrer Ausstellung in einem Provisorium “Protestpotential” veranschlagt habe, um die Instandsetzung des Hauses zu forcieren. Das Wurzener Parlament, so die Stadträtin, habe sich einmütig zur Instandsetzung bekannt. “Um die Planung zu verwirklichen, brauchen wir neue Mitglieder, Spenden und eine öffentlich-private Patenschaft”, warb sie um Unterstützung.

  Provisorium mit Sinn: Martin Rietschel (M) ist sichtlich erfreut, dass die Ausstellung über seinen Vater Christian Rietschel, einen Großneffen von Ringelnatz, im Geburtshaus des von der Familie verehrten Literaten und Malers statfindet. Zur Freude der rund 50 Gäste trug er so manche Anekdote aus dem Familienkreise um den quirligen Hans Bötticher vor.

Signal steht auf Grün für Zusammenarbeit Wurzen – Cuxhaven

Montag, 26. April 2010 (Hess)

Das sei schade, bedauerte Erika Fischer von der Ringelnatz-Gesellschaft Cuxhaven, als ihr Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin mitteilte, Wurzen könne den Ringelnatz-Nachwuchspreis für Lyrik wieder finanzieren. Die Volks- und Raiffeisenbank Muldental wollte die Hälfte des Preisgeldes zur Verfügung stellen, die andere Hälfte wollten die Standortinitiative Wurzen und die Stadt aufbringen. Die Initiative aus Wurzen kam ein klein wenig zu spät: In Cuxhaven hatte sich die VGH Versicherungsgesellschaft Hannover bereits der Presse als neuer Sponsor vorgestellt.

Die Delegation aus Wurzen wurde am 24. April 2010 zur festlichen Verleihung des Ringelnatzpreises für Lyrik in Cuxhaven herzlich begrüßt und erlebte einen geistreichen, wohl gelungenen Abend. Dr. Sabine Jung, die neue Leiterin des Museums Wurzen, reihte sich in die Gratulantenschar ein und lud die Preisträger Wulf Kirsten und Christian Rosenau ein, auch einmal die Geburtsstadt Ringelnatz’ in Sachsen zu besuchen.

Hier wurde schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Grundstein für eine seither stetig angewachsene Ringelnatz-Sammlung gelegt, die Ringelnatz selbst weiter bestückte und 1932 auch besuchte. Seither hat jeder Museumsleiter die Sammlung fortgeführt.  Wurzen und Cuxhaven könnten sich gegenseitig bereichern und Ringelnatz damit gründlicher bekannt machen, zeigten sich Dr. Sabine Jung und Dr. Viola Heß vom Vorstand des Joachim Ringelnatz Vereins Wurzen an enger Zusammenarbeit mit der Ringelnatz-Stiftung und der Ringelnatz-Gesellschaft und an regem Austausch interessiert.

Ein Besuch des Ringelnatz-Museums Cuxhaven mit der derzeitigen Sonderausstellung der Blätter zu “…liner Roma” gehörte dank der Einladung zur Preisverleihung zu den ersten Amtshandlungen der neuen Wurzener Museumsleiterin. Wenn das kein gutes Omen ist…

Dr. Sabine Jung (r.) und Dr. Viola Heß vor dem Ringelnatz-Museum Cuxhaven

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