Montag, 9. August 2010 (vhess)
Wurzen. Wiglaf Droste hielt Wort: Am Vorabend des 127.Geburtstages des von ihm verehrten Ringelnatz kam er nach Wurzen und las - Ringelnatz und Eigenes. Droste zeigte sich auf als scharfsinniger und scharfzüngiger Sprachkritiker, der vergnüglich mit stilistischen Fehlbildungen jonglierte. Der inzwischen in Leipzig gelandete Autor ließ die Zuhörer teilhaben an seinem unbändigen Spaß am Nonsens raffinierter Sprachwerkeleien und nahm sie bereitwillig mit in den “siebten Kreis der Wortspielhölle”. Jedenfalls konnte so richtig gelacht werden. Aber das war schon nach der Pause.
Im ersten Teil der Lesung ging es besinnlicher zu. Warme und herzberührte Worte fand der Satiriker für Ringelnatz. Das Risiko der Ernüchterung beim Wiederlesen von Büchern, für die man einst schwärmte, gilt für Droste bei dem Wurzener Poeten nicht. Das Hingerissensein des 14-Jährigen hat sich der Westfale offenbar über die Jahrzehnte bewahrt. “Mut zur tragischen Größe wie zur Ironie”, bescheinigt er ihm, “Tiefe der Empfindung, die sich nicht abnutzt” und einen “Humor, der weniger mit lustiger Flachserei zu tun hat als mit der Fähigkeit, die Schläge des Schicksals zu verarbeiten und zu ertragen”.
Es war kein leichtes Stück Arbeit, den Wurznern ihren Ringelnatz neu zu entdecken. Droste, der mit lebenden Mitmenschen gern Schlitten fährt, hat das fein hingekriegt. Seine Betrachtung “Die reinste Liebe wird vergossen im Vorbei” ermutigt, sich ganz auf Ringelnatz einzulassen - freiwillig und immer wieder neu. Der Wurzener Ringelnatz-Verein hat einen Verbündeten gefunden.
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Montag, 28. Juni 2010 (vhess)
Wurzen. Kurzfristig absagen musste Wiglaf Droste seine lange geplante Lesung im Juni in Wurzen. Sein den Ringelnatz-Fans gegebenes Versprechen will er dennoch halten. Freunde Ringelnatzscher Verse und Drostescher Weltsicht (und umgekehrt) kommen am 6. August, 18.30 Uhr, im Arkadenhof des Museums Wurzen auf ihre Kosten. Am Vorabend des 127. Ringelnatz-Geburtstages lädt der Joachim Ringelnatz Verein Wurzen e.V. herzlich zu dieser Lesung ein.
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Montag, 28. Juni 2010 (vhess)
Wurzen. Seit langen Jahren ist zum ersten Male wieder eine Ausstellung im Ringelnatz-Geburtshaus zu sehen - in sanierungsbedürftigen Räumen..Bis zum 8. August werden hier Aquarelle, Monotypien und Zeichnungen von Christian Rietschel öffentlich präsentiert. Der Urenkel des Bildhauers Ernst Rietschel, Großneffe von Ringelnatz, wurde 1908 im jetzigen Wurzener Ortsteil Sachsendorf geboren. Er betätigte sich nach Kunst- und Theologiestudium sein Leben lang künstlerisch. Die Auszüge aus dieser “Privatkunst” wie es Sohn Martin Rietschel zur Vernissage in seiner Würdigung des Vaters nannte, offenbaren dabei eine glückliche Hand. Rietschel konnte für sich in Wurzen dem Leben seines Vaters ein weiteres Mosaiksteinchen hinzufügen: Erika Siebert schilderte persönliche Begegnungen mit dem Mann, der in Sachsen in den 1950er Jahren den Kunstdienst der evangelischen Kirche aufgebaut hatte und offenbar in reichem Maße über die Gabe verfügte, auszugleichen und zu vermitteln.
Museumsleiterin Dr. Sabine Jung begrüßte die Gelegenheit, an einem unübersehbar “provisorischen Ausstellungsort” eine Lanze für das geschichtsträchtige Haus am Crostigall zu brechen. “Wo Ringelnatz draufsteht, sollte auch Ringelnatz drin sein”, kritisierte sie das bisherige Selbstverständnis Wurzens als Ringelnatz-Stadt.
Vereinsvorsitzende Angelika Wilhelm erinnerte noch einmal an die Geschichte des Hauses, das 1983 - zum 100 Geburtstag des Poeten - saniert worden war und viel von seinen Charme eingebüßt hatte, als die Ringelnatz-Exponate 1999 ins Museum in der Domgasse abgewandert waren. Wilhelm erinnerte daran, dass der Ringelnatzverein ein Nutzungskonzept vorgelegt habe, das der Bedeutung des denkmalgeschützten Baus als Geburtshaus des Wurzener Multitalents gerecht werde.
Vereinsfrau Viola Hess hob hervor, dass die Gruppe mit ihrer Ausstellung in einem Provisorium “Protestpotential” veranschlagt habe, um die Instandsetzung des Hauses zu forcieren. Das Wurzener Parlament, so die Stadträtin, habe sich einmütig zur Instandsetzung bekannt. “Um die Planung zu verwirklichen, brauchen wir neue Mitglieder, Spenden und eine öffentlich-private Patenschaft”, warb sie um Unterstützung.
Provisorium mit Sinn: Martin Rietschel (M) ist sichtlich erfreut, dass die Ausstellung über seinen Vater Christian Rietschel, einen Großneffen von Ringelnatz, im Geburtshaus des von der Familie verehrten Literaten und Malers statfindet. Zur Freude der rund 50 Gäste trug er so manche Anekdote aus dem Familienkreise um den quirligen Hans Bötticher vor.
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Montag, 26. April 2010 (vhess)
Das sei schade, bedauerte Erika Fischer von der Ringelnatz-Gesellschaft Cuxhaven, als ihr Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin mitteilte, Wurzen könne den Ringelnatz-Nachwuchspreis für Lyrik wieder finanzieren. Die Volks- und Raiffeisenbank Muldental wollte die Hälfte des Preisgeldes zur Verfügung stellen, die andere Hälfte wollten die Standortinitiative Wurzen und die Stadt aufbringen. Die Initiative aus Wurzen kam ein klein wenig zu spät: In Cuxhaven hatte sich die VGH Versicherungsgesellschaft Hannover bereits der Presse als neuer Sponsor vorgestellt.
Die Delegation aus Wurzen wurde am 24. April 2010 zur festlichen Verleihung des Ringelnatzpreises für Lyrik in Cuxhaven herzlich begrüßt und erlebte einen geistreichen, wohl gelungenen Abend. Dr. Sabine Jung, die neue Leiterin des Museums Wurzen, reihte sich in die Gratulantenschar ein und lud die Preisträger Wulf Kirsten und Christian Rosenau ein, auch einmal die Geburtsstadt Ringelnatz’ in Sachsen zu besuchen.
Hier wurde schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts der Grundstein für eine seither stetig angewachsene Ringelnatz-Sammlung gelegt, die Ringelnatz selbst weiter bestückte und 1932 auch besuchte. Seither hat jeder Museumsleiter die Sammlung fortgeführt. Wurzen und Cuxhaven könnten sich gegenseitig bereichern und Ringelnatz damit gründlicher bekannt machen, zeigten sich Dr. Sabine Jung und Dr. Viola Heß vom Vorstand des Joachim Ringelnatz Vereins Wurzen an enger Zusammenarbeit mit der Ringelnatz-Stiftung und der Ringelnatz-Gesellschaft und an regem Austausch interessiert.
Ein Besuch des Ringelnatz-Museums Cuxhaven mit der derzeitigen Sonderausstellung der Blätter zu “…liner Roma” gehörte dank der Einladung zur Preisverleihung zu den ersten Amtshandlungen der neuen Wurzener Museumsleiterin. Wenn das kein gutes Omen ist…
Dr. Sabine Jung (r.) und Dr. Viola Heß vor dem Ringelnatz-Museum Cuxhaven

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Sonntag, 21. März 2010 (vhess)
Wiglaf Droste kommt wieder nach Wurzen. Am 4. Juni, 18.30 Uhr, gibt er im Arkadenhof des Museums zum Auftakt des Ringelnatz-Sommers 2010 sein Verhältnis zu dem von ihm verehrten Ringelnatz preis. Er liest Texte des Dichters und eigene Arbeiten. So sind den Gästen zweimal fünfzig Minuten sensiblen Humors mit philosophischem Tiefgang sicher. Eingeladen hat den mittlerweile in Leipzig beheimateten Satiriker und Polemiker der Joachim Ringelnatz Verein Wurzen.
Weitere Veranstaltungen
Chr. Rietschel - Aquarelle, Monotypien und Illustrationen
Sachsendorfer Verwandtschaft des in Wurzen geborenen Künstlers Ringelnatz hat die neue Ausstellung für den Ringelnatz-Sommer 2010 im Blick. Der Joachim Ringelnatz Verein Wurzen e.V. setzt damit seine biografische Spurensuche fort, die 2009 mit der Ausstellung “Ringelnatz und seine Ahnen” begonnen hatte. Partner in diesem Projekt ist wiederum der Enst Rietschel Kulturring e.V. in Pulsnitz. Die Ausstellung wird am 26. Juni, 11 Uhr, im Ringelnatz-Geburtshaus eröffnet und ist dort bis zum 8. August zu sehen.
“Zu Hülfe”
Michael Augustin (Bremen) und Wolfgang Rieck (Rostock) lesen Ringelnatz am 19. November 2010 20 Uhr im Museum Wurzen.
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Sonntag, 21. März 2010 (vhess)
Dr. Sabine Jung ist neue Leiterin des Museums Wurzen und damit auch verantwortlich für die älteste und größte Ringelnatzsammlung in Deutschland. Die promovierte Kunsthistorikerin setzte sich unter 56 Bewerbern aus ganz Deutschland durch. Als Tochter eines Kapitäns zur See habe sie sich früh mit Ringelnatz befasst, der einen festen Platz in der väterlichen Bibliothek hatte. Wurzen habe mit Ringelnatz und seinem Vater Georg Bötticher, einem renommierten Industriedesigner, etwas ganz Besonderes, sagt sie bei ihrer Vorstellung vor Stadträten in Wurzen. Zu ihren Aufgaben gehört es auch, dem Geburtshaus des Künstlers in Wurzen nach der Sanierung ein interessanten kulturelles Leben zu geben.
Vita
Sabine Jung wurde 1955 in Saarbrücken geboren und verbrachte ihre Schulzeit in Norddeutschland. Nachdem Abitur studierte sie unter anderem Kunstgeschichte und Archäologie. Jung promovierte mit einer Monographie über den saarländisch-französischen Maler Jean Schuler, einen Vertreter des Post-Expressionismus.
Stationen ihres beruflichen Werdegangs sind unter anderem der Saarländische Rundfunk, das ZDF und der Südwestfunk. Ihr Volontariat absolvierte sie beim Landesmuseum Mainz. Jung war zudem jahrelang als freie Journalistin und Kuratorin tätig. Zuletzt arbeitete sie beim Max-Ernst-Museum in Brühl bei Köln. Jung publizierte überdies zur Malerei und Bildhauerei des 19. und 20. Jahrhunderts, sowie zu zeitgenössischer Kunst. Bis heute gilt ihr besonderes Interesse der bildenden Kunst dieser Zeit, wobei ihr Augenmerk auf Impressionismus und Expressionismus liegt. Sie selbst bezeichnet sich als ausgewiesenen Ringelnatz-Fan.
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Sonntag, 3. Januar 2010 (vhess)
Einstimmig hat der Stadtrat Wurzen in seiner letzten Sitzung 2009 den Beschluss gefasst, das Ringelnatzhaus im Crostigall, in dem Hans Gustav Bötticher 1883 zur Welt kam, zu sanieren. Die “Leipziger Volkszeitung” kommentierte den Beschluss als eine längst überfällige Entscheidung.
Beginnend mit dem Haushalt 2010 sollen im Haushalt der Stadt jährlich Mittel für die Sanierung bereit gestellt werden. Im Ringelnatzhaus sollen Ausstellungsräume und eine Schauwohnung entstehen. Vorausssichtlich wird auch die “Wurzen-Information” ins Erdgeschoss einziehen.
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Sonntag, 3. Januar 2010 (vhess)
Otto Fries wurde 1849 im heutigen Bad Berka bei Sondershausen geboren. Sein Vater Hugo Fries (1818-1889) war dort viele Jahre Bürgermeister. 1850 übersiedelte er mit der Familie nach Weimar. Für seine Verdienste um die Gewerbe- und Zollfreiheit, Schulgründungen und das Eisenbahnwesen wurde ihm 1874 die Ehrenbürgerwürde verliehen.
Über das Leben des Sohns Otto Fries ist wenig bekannt. Bis 1902 bekleidete er das Amt des großherzoglich-sächsischen Oberförsters in Marksuhl in Thüringen und wohnte im Schloss Wilhelmsthal. Überlieferungen nach hatte er auch einen Hirsch im Gehege und einen Affen an der Stange vorm Schloss. Wenn Kaiser Friedrich Wilhelm auf der Wartburg weilte, soll er gern mit Otto Fries auf die Jagd gegangen sein.
Otto Fries war um 1904, wie zuvor sein Vater, Parlamentsmitglied im Block der Nationalliberalen im Deutschen Reichstag in Berlin. Im Mai 1905 unternahm er mit anderen Parlamentsabgeordneten eine Studienreise in die deutschen Kolonien in Afrika. Von dort kehrte er nicht mehr zurück. Er starb am 24.8.1905 an Bord eines Postdampfers und wurde in der Stadt Lomé in Togo auf dem deutschen Friedhof begraben.
Ringelnatz schrieb in seinen Lebenserinnerungen „Mein Leben bis zum Kriege“:
Den Onkel Fries in Marksuhl besuchten wir während der Sommerfrische. Er war ein rauer Weidmann, der selbst vor dem Kaiser, der gelegentlich bei ihm jagte, kein Blatt vor den Mund nahm. Zu dem herrlichen Gutshof gehörte ein alter gespenstischer Turm. Die Fledermäuse, die sich in dessen Gebälk aufhängten, brannte ein Knecht von Zeit zu Zeit am Tag, wenn sie schliefen, mit einer brennenden Kerze herunter.
Ich sah lebendig gerupfte Puten und Hühner ohne Kopf, die noch lange fürchterlich zuckten… Früchte gab’s in Hülle und Fülle. Beim Einfahren des Korns habe ich einmal auf einer Kreuzotter gesessen, was mir einen heldenhaften Nimbus verlieh.
Zuweilen ritt meine Mutter mit dem Onkel aus. Man musste der kleinen Frau dann erst auf eine Kiste helfen, damit sie aufs Pferd kam.
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Sonntag, 3. Januar 2010 (vhess)
Nur schöne Erinnerungen hat Joachim Ringelnatz offenbar an Marksuhl, wo er bei seinem “Nennonkel”, dem Oberförster Otto Fries, gern den Sommer verbrachte. Wolfgang Knape liess dies in einem Vortrag aus Anlass der Ausstellung “Ringelnatz und seine Ahnen” im Ringelnatzsommer 2009 in Wurzen geistreich Revue passieren. Davon war wiederum Martin Rietschel so angetan, dass er umgehend den heutigen Bürgernmeister von Marksuhl, Martin Trostmann, dazu aninmierte, in Marksuhl dieser guten Beziehung zu gedenken.
Am 11. September 2009 wurde zur Erinnerung im Schlosspark Marksuhl eine Trauerbuche geweiht.
Am 10. Dezember wurde vor der Schlossparkschule eine Gedenktafel aus Muschlekalk aufgestellt, für die Angelika Wilhelm, Wolfgang Knape und Martin Rietschel folgende Inschrift wählten:
“Joachim Ringelnatz (1883 - 1934) verbrachte öfters die Ferien bei Oberförster Otto Fries im Schloss Marksuhl”
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Sonntag, 3. Januar 2010 (vhess)
Ein Blumengebinde legten der Ernst- Rietschel-Kulturring E.V. Pulsnitz und der Joachim Ringelnatz Verein Wurzen e.V. zum Todestag von Joachim Ringelnatz an seinem Grab in Berlin nieder.

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