Sonntag, 3. Januar 2010 (vhess)
Die Stelle des Leiters des Museums Wurzen, das auch die größte und älteste Ringelnatz-Sammlung in Deutschland betreut, ist ausgeschrieben. Die Stellenanforderungen können bei der Stadtverwaltung Wurzen oder auf den Internetseiten das Sächsischen und des Deutschen Museumsbundes erkundet werden.
Archiv: Ringelnatz
Sonntag, 3. Januar 2010 (vhess)
Einstimmig hat der Stadtrat Wurzen in seiner letzten Sitzung 2009 den Beschluss gefasst, das Ringelnatzhaus im Crostigall, in dem Hans Gustav Bötticher 1883 zur Welt kam, zu sanieren. Die “Leipziger Volkszeitung” kommentierte den Beschluss als eine längst überfällige Entscheidung.
Beginnend mit dem Haushalt 2010 sollen im Haushalt der Stadt jährlich Mittel für die Sanierung bereit gestellt werden. Im Ringelnatzhaus sollen Ausstellungsräume und eine Schauwohnung entstehen. Vorausssichtlich wird auch die “Wurzen-Information” ins Erdgeschoss einziehen.
Archiv: Ringelnatz
Sonntag, 3. Januar 2010 (vhess)
Otto Fries wurde 1849 im heutigen Bad Berka bei Sondershausen geboren. Sein Vater Hugo Fries (1818-1889) war dort viele Jahre Bürgermeister. 1850 übersiedelte er mit der Familie nach Weimar. Für seine Verdienste um die Gewerbe- und Zollfreiheit, Schulgründungen und das Eisenbahnwesen wurde ihm 1874 die Ehrenbürgerwürde verliehen.
Über das Leben des Sohns Otto Fries ist wenig bekannt. Bis 1902 bekleidete er das Amt des großherzoglich-sächsischen Oberförsters in Marksuhl in Thüringen und wohnte im Schloss Wilhelmsthal. Überlieferungen nach hatte er auch einen Hirsch im Gehege und einen Affen an der Stange vorm Schloss. Wenn Kaiser Friedrich Wilhelm auf der Wartburg weilte, soll er gern mit Otto Fries auf die Jagd gegangen sein.
Otto Fries war um 1904, wie zuvor sein Vater, Parlamentsmitglied im Block der Nationalliberalen im Deutschen Reichstag in Berlin. Im Mai 1905 unternahm er mit anderen Parlamentsabgeordneten eine Studienreise in die deutschen Kolonien in Afrika.
Von dort kehrte er nicht mehr zurück. Er starb am 24.8.1905 an Bord eines Postdampfers und wurde in der Stadt Lomé in Togo auf dem deutschen Friedhof begraben.
Ringelnatz schrieb in seinen Lebenserinnerungen „Mein Leben bis zum Kriege“:
„Den Onkel Fries in Marksuhl besuchten wir während der Sommerfrische. Er war ein rauer Weidmann, der selbst vor dem Kaiser, der gelegentlich bei ihm jagte, kein Blatt vor den Mund nahm. Zu dem herrlichen Gutshof gehörte ein alter gespenstischer Turm. Die Fledermäuse, die sich in dessen Gebälk aufhängten, brannte ein Knecht von Zeit zu Zeit am Tag, wenn sie schliefen, mit einer brennenden Kerze herunter.
Ich sah lebendig gerupfte Puten und Hühner ohne Kopf, die noch lange fürchterlich zuckten… Früchte gab’s in Hülle und Fülle. Beim Einfahren des Korns habe ich einmal auf einer Kreuzotter gesessen, was mir einen heldenhaften Nimbus verlieh.
Zuweilen ritt meine Mutter mit dem Onkel aus. Man musste der kleinen Frau dann erst auf eine Kiste helfen, damit sie aufs Pferd kam.“
Archiv: Familie & Freunde, Literatur, Ringelnatz, Veranstaltungen, Verein
Sonntag, 3. Januar 2010 (vhess)
Nur schöne Erinnerungen hat Joachim Ringelnatz offenbar an Marksuhl, wo er bei seinem “Nennonkel”, dem Oberförster Otto Fries, gern den Sommer verbrachte. Wolfgang Knape liess dies in einem Vortrag aus Anlass der Ausstellung “Ringelnatz und seine Ahnen” im Ringelnatzsommer 2009 in Wurzen geistreich Revue passieren. Davon war wiederum Martin Rietschel so angetan, dass er umgehend den heutigen Bürgernmeister von Marksuhl, Martin Trostmann, dazu aninmierte, in Marksuhl dieser guten Beziehung zu gedenken.
Am 11. September 2009 wurde zur Erinnerung im Schlosspark Marksuhl eine Trauerbuche geweiht.
Am 10. Dezember wurde vor der Schlossparkschule eine Gedenktafel aus Muschlekalk aufgestellt, für die Angelika Wilhelm, Wolfgang Knape und Martin Rietschel folgende Inschrift wählten:
“Joachim Ringelnatz (1883 - 1934) verbrachte öfters die Ferien bei Oberförster Otto Fries im Schloss Marksuhl”
Archiv: Ringelnatz
Sonntag, 3. Januar 2010 (vhess)
Ein Blumengebinde legten der Ernst- Rietschel-Kulturring E.V. Pulsnitz und der Joachim Ringelnatz Verein Wurzen e.V. zum Todestag von Joachim Ringelnatz an seinem Grab in Berlin nieder.

Archiv: Familie & Freunde, Ringelnatz, Verein
Donnerstag, 18. Juni 2009 (vhess)
André Schinkel las in Wurzen. Bereits zum dritten Male ist der von Wolf Biermann gekürte Träger des Ringelnatz-Nachwuchspreises in der Ringelnatzstadt zu Gast. Drei neue Bücher hatte er im Gepäck. Mit dem Titel des einen - “Unwetterwarnung” - war seine Lesung am 12. Juni in der Galerie am Markt überschrieben.
Der gelernte Rinderzüchter und studierte Archäologe berichtete höchst kurzweilig von seiner Zeit als Stadtschreiber in der thüringischen Stadt Ranis. Hier bekam Schinkel ganze 15 Monate Logis und ein kleines Honorar dafür, dass er der kleinen Stadt mit der großen Burg Verse schenkt. Schinkel ist auch in der Sprache Archäologe, tastet die Oberfläche der Dinge nach dem Verborgenen ab und gräbt nach Kostbarem, Besonderem und - ganz wie Ringelnatz - Skurrilem. Am Leseabend zog er große Bögen durch Welt, Geschichte und Gefühle. Er gab sich lyrisch einer großen Liebesgeschichte im Ägypten der Pharaonen hin, las aus einem Krimi, der im Bitterfelder Land spielt, und landete immer wieder bei Gedichten über die Liebe, das Begehren, die Enttäuschung. Die meisten Gäste gingen mit einem seiner Bücher und beschenkt mit einer Widmung nach Hause. André Schinkel kommt wieder. Gern wolle er in der Ringelnatz-Schule seine Kindergedichte und Märchen vorstellen, sagte er.
Archiv: Ringelnatz
Mittwoch, 10. Juni 2009 (vhess)
Andrang in der Galerie am Markt in Wurzen wie selten: Der Ringelnatz-Sommer 2009 der Stadt hatte am 6. Juni einen bemerkenswerten Auftakt: Die Ausstellung „Ringelnatz und seine Ahnen“ gestattet erstmals einen umfassenden Blick auf die Vorfahren der Familie Bötticher. Sie hält höchst Interessantes bereit. Zum Beispiel, dass einer der Vorfahren von Joachim Ringelnatz König von Korsika war. Seine Biografie ist eine aus dem kompletten Stammbaum des nach eigenen Worten etwas schief ins Leben gebauten Künstlers, der in Stadtgalerie am Marktplatz nun bis zum 9. August erkundet werden kann. „Wir unternehmen den Versuch, die weit verzweigten Lebenslinien des Dichters zu großen Teilen zu zeigen“, erklärt Angelika Wilhelm vom Ringelnatz-Verein Wurzen, der die Schau organisiert hat. Zu danken ist für Leihgaben des Museums für Bildende Künste Leipzig, des Stadtgeschichtlichen Museums, der Familie Rietschel und des Ernst-Rietschel-Kulturrings.
Dass die Schau allerdings überhaupt zustande kam, sei einem Zufall zu danken, sagt Wilhelm. So habe sich im Januar Martin Rietschel, Nachfahre von Ernst Rietschel, der das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar schuf, bei ihr gemeldet. Martin Rietschel offenbarte Angelika Wilhelm nicht nur seine eigene verwandtschaftliche Verbindung zur Familie Bötticher/Ringelnatz und seine Begeisterung über die Wurzener Ringelnatz-Sammlung, sondern auch die Möglichkeit, gemeinsam in die Welt der Ahnen des Künstlers einzutauchen. Rietschel steuerte aus eigenem Familienbesitz zahlreiche Fotos und Dokumente über Ringelnatz‘ Ahnen bei. „Wir fanden weitere Vorfahren, die in der Literatur bisher nicht berücksichtigt wurden“, zeigt sich Angelika Wilhelm begeistert. Ringelnatz‘ Verwandte waren Maler, Schriftsteller, Gelehrte und Abenteurer. Zu Letzteren gehörte Theodor Baron von Neuhoff (1668-1756). Er ließ sich nach Versprechungen, Korsikas Unabhängigkeit gegen die Genuesen sichern zu können, zu Theodor I., König der Korsen, krönen. Seine Residenzzeit dauerte aber nur sechs Monate.
Imposante Vorfahren sind der Gelehrte Professor Ferdinand Hand aus Jena (Philosoph, Philologe, Sozialreformer und Doktorvater von Robert Schumann) und seine Frau Wilhelmine, geb. von Cotta. Beide gelten als Urahnen der Familien Bötticher und Rietschel. Deren Töchter heirateten - die eine den Pfarrer Adam Böttcher und die andere den Bildhauer Ernst Rietschel.
Die Ausstellung zeigt alle Ahnen von Joachim Ringelnatz, wo immer möglich in Fotos, Zeichnungen, Gemälden. Zu jedem schrieb Angelika Wilhelm eine Kurzbiografie, ergänzt um Sequenzen aus den biografischen Aufzeichnungen Georg Böttichers und Ringelnatz. Zudem werden die von Ringelnatz als Nenn-Onkel bezeichneten Schriftsteller und Kunstfreunde seines Vaters Georg Bötticher vorgestellt.
Zum Auftakt zeigten sich die Rietschels als gewandte Ahnenforscher und Historiker, die selbst äußerst kurzweilig das Entstehen der Ausstellung und die Entdeckung des prominenten Familienmitgliedes darstellten. Bis hin zu noch nie veröffentlichten Gedichten (über die Gose) und den Streichen des unternehmungslustigen Hans Bötticher am Familientische. Der Ringelnatz-Verein Wurzen und der Rietschel-Kulturring vereinbarten weitere Zusammenarbeit. Zum Rotwein gab’s es zur Ausstellungseröffnung Seepferdchen zu kosten - von der Bäckerei Schwarze aus Quarkteig geformt und für den Anlass gesponsert. Danke.
Archiv: Ausstellungen, Familie & Freunde, Literatur, Ringelnatz, Verein
Montag, 26. Januar 2009 (vhess)
Komische Gedichte (nicht nur) von Joachim Ringelnatz,
deklamiert von Harry Rowohlt - kommentiert von Christian Maintz
Am 7. August 2008 wäre Joachim Ringelnatz, einer der wenigen deutschen Klassiker des Komischen, 125 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass präsentiert das – auch im Ahrensburger Marstall – bereits bewährte Duo Harry Rowohlt & Christian Maintz eine breitgefächerte Auswahl aus seinem Werk. Rowohlt, der derzeit republikweit wohl kompetenteste, ach was: begnadetste Rezitator, wird Gedichte, Prosa und Briefe von Ringelnatz und einigen seiner Vorläufer und Nachfolger lesen, deklamieren und notfalls auch singen. Der Germanist Christian Maintz wird die Texte erläuternd kommentieren und Biographisches zur Person des Dichters beisteuern. Harry Rowohlt selbst beschreibt das Prinzip ihrer gemeinsamen Veranstaltungen so: „Ich lese komische Gedichte – und Christian Maintz erklärt den Leuten, warum sie gelacht haben.”
Harry Rowohlt, Übersetzer, Rezitator, Kolumnist, Autor und (Gelegenheits-)Schauspieler. Übertragung von mehr als 100 Büchern aus dem Englischen ins Deutsche, darunter A.A. Milnes Pu der Bär, Frank McCourts Die Asche meiner Mutter, Shel Silversteins Raufgefallen und Philip Ardaghs Schlimmes Ende. Autor der legendären ZEIT-Kolumne Pooh’s Corner sowie u.a. der Bücher John Rock oder der Teufel und Der Kampf geht weiter! Nicht weggeschmissene Briefe. Diverse Hörbücher bzw. CDs. Regelmäßig Auftritte als Penner Harry in der „Lindenstraße„. Brüder-Grimm-Preis 1997, Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 1999, Göttinger Elch 2000.
Christian Maintz, Germanist und Autor, Dozent an der Universität Hamburg. Herausgeber der Lyrikanthologie „Lieber Gott, Du bist der Boß, Amen! Dein Rhinozeros„ Regelmäßig Beiträge für „Häuptling Eigener Herd„, die „Wahrheit„-Seite der ‚tageszeitung’ sowie das ‚Jahrbuch der Lyrik’. Wilhelm-Busch-Preis 2002 und 2005, Publikumspreis des Menantes-Preises 2008.

Harry Rowohlt (l.) und Christian Maintz
Archiv: Harry Rowohlt, Link-Tipp, Literatur, Presse, Ringelnatz, Veranstaltungen, Verein
Montag, 26. Januar 2009 (vhess)
Veranstaltungen Ringelnatzverein 2009
06.03.09, 20.00 Uhr
„wie seine eigne Spucke schmeckt, das weiß man nicht…“
Harry Rowohlt und Christian Maintz
Kulturhaus Schweizergarten
Veranstalter: Netzwerk für demokratische Kultur und Joachim Ringelnatz Verein Wurzen
18.04.09 14 Uhr
„Ringelnatz & Rollmops“ Seemannslieder vorgetragen von „Smutje Berni“ aus Hamburg
Arkadenhof im Museum
06.06.-09.08.09
RingelnatzSommer Wurzen 2009
„Ringelnatz und seine Ahnen“<
Städtische Galerie am Markt Wurzen
Öffnungszeiten: Mi – So 14 – 17 Uhr
12.06.09, 19.00 Uhr
„Unwetterwarnung“
Lesung mit André Schinkel aus Halle, Ringelnatzförderpreisträger 2006
Städtische Galerie am Markt Wurzen
Archiv: Ausstellungen, Gedichte, Literatur, Ringelnatz, Veranstaltungen, Verein
Montag, 26. Januar 2009 (vhess)
Zum Küssen schön! Die erste Stele auf dem Ringelnatz-Pfad durch die Stadt Wurzen wurde kurz vor dem Jahresende zum Podest für ein Kunstwerk. Die große Liebe des alten Nagels zu einer Messingschraube mit goldener Haube ist nun als vergnügtes Paar auf dieser Stele in Wort und Skulptur in Szene gesetzt. Ute Hartwig-Schulz vom Künstlergut Prösitz machte das erste Kunstwerk des Pfades der Stadt zum Geschenk. Bürgermeister Jörg Röglin nahm das Geschenk mit großem Dank an. In den folgenden Jahren sollen weitere Stelen des Ringelnatz-Pfades von Kunst gekrönt werden.
www.kuenstlergut-proesitz.de

Ein neues Bild für die Wurzener Ringelnatz-Sammlung kann seit kurzem im Museum gezeigt werden. Ein Unternehmer der Stadt erwarb das lange verschollene Bild “Beschaulichkeit” und übergab es dem Museum. Der Joachim Ringelnatz Verein Wurzen bedankt sich für die große Spende. Er hatte bereits ein Jahr lang Geld für den Erwerb gesammelt, nachdem das Bild bei einer Leipziger Kunstfreundin und Sammlerin aufgetaucht war.
Archiv: Ringelnatz