Ringelnatz in Wurzen

Wurzen ist die Geburtsstadt von Joachim Ringelnatz. Hier wurde er als Hans Gustav Bötticher am 7.8.1883 geboren und verlebte seine frühe Kindheit.

Sein Konterfei grüßt schon an der Autobahn, Ringelnatzverse zieren zahlreiche Hausgiebel, eine Straße in der Stadt wurde nach ihm benannt und eine Gedenktafel am Geburtshaus angebracht.

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Auf dem Wurzener Marktplatz wurde zum 100. Geburtstag von Ringelnatz im Jahr 1983 eine eindrucksvolle Brunnenanlage eingerichtet.

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Zu seinem 125. Geburtstag erfüllte Ringelnatz‘ Geburtsstadt den von ihm geäußerten Wunsch, man möge nach seinem Tode ein Gässchen nach ihm benennen. Das zu bewundernde Ringelnatzgässchen in Wurzens Altstadt zeigt sich so, wie es sich Ringelnatz ausdrücklich wünschte:

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Ehrgeiz

Ich habe meinen Soldaten aus Blei
Als Kind Verdienstkreuzchen eingeritzt.
Mir selber ging alle Ehre vorbei,
Bis auf zwei Orden, die jeder besitzt.

Und ich pfeife durchaus nicht auf Ehre.
Im Gegenteil. Mein Ideal wäre,
Daß man nach meinem Tod (grano salis)
Ein Gäßchen nach mir benennt, ein ganz schmales
Und krummes Gäßchen, mit niedrigen Türchen,
Mit steilen Treppchen und feilen Hürchen,
Mit Schatten und schiefen Fensterluken.

Dort würde ich spuken.

Auch die zwei Kinderspielplätze „Kuttel Daddeldu“ und „Ein Hafen zum Verweilen“ wurden mit Ringelnatz-thematisch gestaltet, was sicher ganz im Sinne des Kinderfreundes Joachim Ringelnatz gewesen wäre.

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Joachim Ringelnatz selbst, geborener Hans Gustav Bötticher, hatte an seine frühe Kindheit in Wurzen jedoch nur verschwommene Erinnerungen:

wurzen „Ein Dienstmädchen trug mich auf dem Arm oder führte mich an der Hand. Es war noch jemand dabei. Wir standen am Rande eines trostlos schlammfarbenen Wassers, das in die Straße eingedrungen war und … immer höher stieg. Und der Himmel war gewittergelb … So schlimm, so trostlos war das! Das Dienstmädchen machte mich offenbar gern gruseln. Denn andermal zog sie mich auf einen Friedhof trotz meines weinenden und schreienden Protestes vor ein Kreuz, an das ein großer, schreckeinflößender, nackter Mann genagelt war (Pesthäuschen). Das ist meine am weitesten zurückreichende Erinnerung.”