Entführung in den siebten Kreis der Wortspielhölle

Montag, 9. August 2010 (Hess)

Wurzen. Wiglaf Droste hielt Wort: Am Vorabend des 127.Geburtstages des von ihm verehrten Ringelnatz kam er nach Wurzen und las – Ringelnatz und Eigenes. Droste zeigte sich auf als scharfsinniger und scharfzüngiger Sprachkritiker, der vergnüglich mit stilistischen Fehlbildungen jonglierte. Der inzwischen in Leipzig gelandete Autor ließ die Zuhörer teilhaben an seinem unbändigen Spaß am Nonsens raffinierter Sprachwerkeleien und nahm sie bereitwillig mit in den “siebten Kreis der Wortspielhölle”. Jedenfalls konnte so richtig gelacht werden. Aber das war schon nach der Pause.
Im ersten Teil der Lesung ging es besinnlicher zu. Warme und herzberührte Worte fand der Satiriker für Ringelnatz. Das Risiko der Ernüchterung beim Wiederlesen von Büchern, für die man einst schwärmte, gilt für Droste bei dem Wurzener Poeten nicht. Das Hingerissensein des 14-Jährigen hat sich der Westfale offenbar über die Jahrzehnte bewahrt. “Mut zur tragischen Größe wie zur Ironie”, bescheinigt er ihm, “Tiefe der Empfindung, die sich nicht abnutzt” und einen “Humor, der weniger mit lustiger Flachserei zu tun hat als mit der Fähigkeit, die Schläge des Schicksals zu verarbeiten und zu ertragen”.
Es war kein leichtes Stück Arbeit, den Wurznern ihren Ringelnatz neu zu entdecken. Droste, der mit lebenden Mitmenschen gern Schlitten fährt, hat das fein hingekriegt. Seine Betrachtung “Die reinste Liebe wird vergossen im Vorbei” ermutigt, sich ganz auf Ringelnatz einzulassen – freiwillig und immer wieder neu. Der Wurzener Ringelnatz-Verein hat einen Verbündeten gefunden.

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